Neurodingsda

Schlagwort: Konflikt

  • Offene Worte, verschlossene Türen – ein Brief an eine unbestimmte Person

    Ich rede. Du bleibst still.

    In meinen Worten zeige ich dir, wer ich bin. Keine versteckte Bedeutung, keine Codes, keine Zweideutigkeiten. Einfach nur Worte in ihrer wahren Bedeutung. Ein Hoffen auf echte Verbindung. Ein Wunsch nach Austausch auf Augenhöhe. Ich spreche und meine Worte werden verdreht. Aus dem Kontext gerissen. Überinterpretiert. Im schlimmsten Fall dämonisiert. Ich bin nicht böse. Ich bin doch nur ich.

    Ich reiche dir die Hand. Du bleibst regungslos.

    Angestrengte Versuche, die Wogen zu glätten. Meinen Kommunikationsstil zu erklären. Dir zu vermitteln, dass du nicht mehr hinein interpretieren musst und sollst. Du sagst, dass du verstehst. Aber stimmt das wirklich? Verstehst du mich wirklich? Denn bei der nächsten Gelegenheit ist das Spiel wieder dasselbe. Und ich bleibe chancenlos. Der Punkt geht an dich. Deine Stille ist stärker. Dein Unverständnis gewinnt. Ich kann nur verlieren.

    Ich ziehe eine Grenze. Du verschliesst dich.

    Dein Schweigen wird zur Macht. Meine Offenheit hinterlässt mich schutzlos. Ich lerne langsam: Es liegt nicht an mir. Und trotzdem trifft es mich. Denn wer sich zeigt, hofft immer auf ein Gegenüber. Ich sage: Da bin ich. Und warte auf ein Echo. Vielleicht wirst du nie hören, was ich wirklich meine. Vielleicht bist du längst gegangen, auch wenn du noch da bist. Aber ich bleibe hier und ich bleibe bei mir.