Ich lerne gerade meine Bedürfnisse kennen und übe den richtigen Umgang damit – nochmal ganz von vorne und das mit 33! Oft denke ich mir: Wie schön wär’s, wenn man einfach Steckbriefe über sich selbst verteilen dürfte. Neues Teammitglied? Hier ist meine persönliche Betriebsanleitung – viel Spass beim Lesen! Dein:e Mitbewohner:in bringt eine neue Bekanntschaft mit? Hier ein Flyer mit wissenswerten Fakten zu mir. Kennst du das? Was für eine Erleichterung und Hilfe zur Demaskierung das doch wäre. Und hier kommt, was ich meinem Umfeld gerne sagen möchte:
- Mein Kommunikationsstil ist direkt, ehrlich und unverblümt. Das kann manchmal irritierend sein. Glaub mir aber, dass ich es zu keinem Zeitpunkt verletzend meine. Bitte sag mir auch direkt, wenn ich dir zu nahegetreten bin. 😥
- Ich nehme Aussagen wörtlich, verstehe praktisch keinen Sarkasmus und kann sehr schlecht zwischen den Zeilen lesen. Bitte sprich so direkt und klar wie möglich mit mir. Gib mir Zeit, das Gesagte zu verarbeiten und lass Raum für Rückfragen. 🐌
- Soziale Interaktionen sind für mich oft überfordernd. Wenn ich die grossen Kopfhörer trage und wir uns irgendwo zufällig begegnen, wäre ich dankbar, wenn wir uns einfach freundlich zu winken und auf ein Gespräch verzichten könnten. Das ist nichts Persönliches. Es hilft mir, meine Ressourcen zu schonen. 🎧
- Small Talk und Gespräche in grossen Gruppen sind mein Endgegner. Wenn es sich ergibt, erzähl mir aber gerne und in Ruhe, was dich bewegt, für was du dich begeisterst oder was dich gerade belastet. Ich interessiere mich sehr für meine Mitmenschen in ihrer Tiefe. Kein Wunder also, dass Psychologie mein größtes Spezialinteresse ist. Darüber könnte ich stundenlang sprechen, aber über das Wetter keine 30 Sekunden. 🗣
- Unerwartete Berührungen kann ich sehr schlecht aushalten. Augenkontakt ist für mich in der Regel schon genug Nähe 👀
- Routinen und Rituale sind notwendig für mich. Sie geben mir Klarheit und Struktur in einer Welt, die für mich häufig chaotisch ist. Ich kann zwar davon abweichen, das sorgt aber für Stress bei mir. Daher mache ich das nur ungerne und selten. Wenn ich also nicht an Ausflügen, Mittagessen oder Aktivitäten teilnehme, dann liegt es daran, dass sie mit meinen Routinen kollidieren und ich nicht die Kapazität habe, diese Veränderung wegzustecken. 🌪
- Wenn wir schon von Aktivitäten sprechen… Ich brauche so viele Informationen wie nur möglich – was, wo, wie, wer und am besten noch warum. So kann ich mich darauf einstellen und vielleicht sogar darauf freuen. Bitte hab Verständnis, wenn ich auf einzelne Teile des Plans verzichten möchte oder kurzfristig doch noch absage. Ich versuche dadurch mein System zu schützen. 📝
- Überraschungen? It’s a no for me. Planänderungen? Gib mir so früh wie möglich Bescheid und auch hier gilt: Lass mir Zeit zur Verarbeitung. Erwarte nicht umgehende Begeisterung. Ich muss das Ganze einfach kurz für mich einsortieren und durchdenken. 🧠
- Das grosse Licht bleibt AUS. 🕯
Die Aufzählung ist natürlich nicht abschliessend, aber ich will euch hier auch kein Kotelett ans Ohr labern (..lautet das Sprichwort überhaupt so?! 🤷♀️). Hier ein kleiner Reminder, wenn du selbst neurodivergent bist: Steh für dich und deine Bedürfnisse ein! Du bist es wert, dass man dich respektiert, unterstützt und ernst nimmt. Und für all meine neurotypischen Besties: Lasst euch auf die Spielregeln der Neurodivergenz ein. Es wartet eine zwischenmenschliche Beziehung auf euch, die wirklich ehrlich, echt und unverfälscht ist. Neurodivergente Menschen haben unendliches Potenzial, wenn man ihnen den richtigen Rahmen bietet, in dem sie aufblühen können.
Bleibt bunt ✨
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